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  • Editorial

Mit einiger Verzögerung erscheint nun das Doppelheft 2011, in dem Beiträge aus mehreren Jahren (!) zusammengefasst sind. Die Gründe für die Verzögerung sind vielfältig und können hier nicht alle aufgeführt werden, allerdings ist es den Herausgebern klar, dass es einer wissenschaftlichen Zeitschrift nicht gut tut, wenn sie nicht regelmäßig erscheint. Vor allem entsteht der Eindruck seitens potentieller Verfasser, dass die Zeitschrift als Forum nicht mehr zur Verfügung steht. Für die deutschsprachige Theaterwissenschaft ist diese Wahrnehmung doppelt schädlich, weil damit die einzige fachspezifische peer-reviewed-Zeitschrift im deutschsprachigen Raum aus dem Blickfeld gerät. Dies muss unbedingt verhindert werden, weil die Bedeutung von peer-reviewed- Publikationsorganen ständig steigt. Seit kurzem verlangt die DFG bei Anträgen, dass Veröffentlichungen nach zwei Kriterien präzise unterschieden werden: Kategorie A für “Arbeiten, die in Publikationsorganen mit einer wissenschaftlichen Qualitätssicherung” erschienen sind, und Kategorie B “andere Veröffentlichungen”. Unter wissenschaftlicher Qualitätssicherung versteht die DFG in erster Linie peer-review, oder, frei nach George Orwell, “all articles are equal but some are more equal than others”. Zur Kategorie B gehören beispielsweise Beiträge in Sammelbänden, die sich nach wie vor in der deutschsprachigen Theaterwissenschaft ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Dass es einen qualitativen Unterschied zwischen Kategorie A und B bei der Bewertung der Forschungsanträge gibt, muss nicht explizit ausgeführt werden. Ein Grund für die Verzögerung des Heftes ist der recht schleppenden Einsendung von Beiträgen geschuldet. Der Löwenanteil der deutschsprachigen theaterwissenschaftlichen Forschungsproduktion erscheint nach wie vor in den besagten Kategorie B-Sammelbänden. Offensichtlich wird nur ein ‘Rest’ an wissenschaftliche Zeitschriften wie Forum Modernes Theater geschickt.

Ein neuer Faktor im Kräftespiel um die ‘wissenschaftliche Qualitätssicherung’ ist sicherlich die gegenwärtig intensiv diskutierte Frage des Open Access. Auch wenn sich die deutsche Wissenschaft für Open Access entscheidet (wahrscheinlich mit beträchtlichen Folgen für die deutschen Bezahl-Verlage), verschwindet damit nicht der Anspruch nach Qualitätssicherung. Da viele deutschsprachige wissenschaftliche Verlage keinerlei Qualitätssicherung anbieten (im deutlichen Kontrast zur angloamerikanischen Welt, wo die renommierten Verlage erhebliche Ressourcen im Hinblick auf Gutachten, Lektorat, Korrekturlesen usw. aufwenden), wird diese Forderung dann an die Wissenschaft selbst zurückfallen. Hier werden sicherlich neue Kosten entstehen, weil der Weg zwischen Verfasser und wissenschaftlicher Öffentlichkeit, auch wenn er im Internet-Zeitalter recht kurz geworden ist, dennoch Mechanismen der Qualitätssicherung dringend bedarf. Die Frage ist nur: wer installiert, kontrolliert und sichert ab? Wir selbst?

Es sind aber nicht nur (potentiell) negative Tendenzen zu vermelden. Seit 2012 ist Forum Modernes Theater in Project Muse aufgenommen worden und kann nun über dieses neben JSTOR wohl wichtigste OnlineArchiv für wissenschaftliche Zeitschriften ‘durchsucht’ werden. Neben der erhöhten Sichtbarkeit wird die Mitgliedschaft in Project Muse auch eine finanzielle Unterstützung gewährleisten, die eine langfristige Absicherung der Zeitschrift garantieren könnte.

An die hier versammelten Autoren richte ich zunächst ein Wort der Entschuldigung, dass der Publikationsprozess so lange gedauert [End Page 5] hat und ein Wort des Dankes, dass sie so viel Geduld aufgewendet haben. Auf der positiven Seite kann man sehen, dass nun eine wissenschaftliche Vielfalt an Themen und Methoden versammelt ist, die in einem normalen Heft nicht möglich gewesen wäre. Man kann beobachten, wie sich die Theaterwissenschaft inzwischen internationalisiert und pluralisiert hat. Eine in London ansässige polnische Literaturwissenschaftlerin (Aneta Mancewicz) untersucht eine deutschsprachige Inszenierung von Shakespeares Sturm. Ein deutscher Chefdramaturg (Thomas Spieckermann) befasst sich mit Theater in Malawi. Eine in Belgien tätige österreichische Theaterwissenschaftlerin (Katharina Pewny) untersucht Fragen des Prekariats in Inszenierungen des Japaners Toshiki Okada (und nicht zu vergessen René Pollesch). Der renommierte französische Theaterwissenschafter Patrice Pavis legt einen grundlegenden Aufsatz über Zuschauerforschung vor und fungiert nebenbei als Vermittler wichtiger französischsprachiger Forschungsliteratur zu diesem Thema, die bislang kaum zur Kenntnis genommen wurde. Puppentheater (Melissa Trimingham) kommt genauso vor wie Tanztheater, das sogar mit drei Beiträgen repräsentiert ist. Theatergeschichte wird anhand des gegenwärtig intensiv diskutierten Terminus des Reenactment in zwei Beiträgen präsentiert: einmal in einer Untersuchung über die Weltausstellung 1894 in Antwerpen, und einmal anhand einer Inszenierung des Hamburger ‘Performancelabel’ Ligna, die die Massenchoreografie der NS-Zeit...

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Additional Information

ISSN
2196-3517
Print ISSN
0930-5874
Pages
pp. 5-6
Launched on MUSE
2014-09-25
Open Access
No
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