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Goethe Yearbook 217 Umschweife antisemitisch nennen muß" (35). Doch andererseits lenkt er nach dem einleitdenden "Auf- und Gegenrechnen philo- und antisemitischer Äußerungen " (39) den Blick auf Goethe als den intimen Kenner, der "das Volk der Hirten und Patriarchen" verehrte (42). Gleichzeitig reizte die "Partriarchenluft" (44) seinen Widerstandsgeist. Für Muschg ist die im 4. Buch von Dichtung und Wahrheit beschriebene "Judenpredigt" des jungen Goethe eine Urszene, da er sich "mit seinem Moses zu streiten nicht aufhören" wird (46). "So wird Goethes jüdische Erbschaft beides: Ideal- und Schmutzkonkurrenz seiner dichterischen Entwicklung" (47). Und als Fazit stellt sich ein Rosarot ein: "So betrachte ich Goethes Lebens-Arbeit am Judentum mit kritischer Dankbarkeit und selbstkritischem Gewinn . . "(54). War die Frage nach dem Antisemitismus bei Goethe für den Verehrer Muschg etwas Unbequemes, aber moralisch Gebotenes, so ist die Antwort auf die Frage, warum Goethe bei seiner am 24. Februar 1784 in Ilmenau zur Wiederbelebung des Bergbaus gehaltenen Rede auf einmal und auffällig lange verstummte, ein Meisterstück, wenn nicht das Meisterstück des Bandes. Hier kann Muschg in die Vollen greifen, sowohl den grünen Goethe hervorkehren, aber auch gleichzeitig psychologisch-biographische Tiefenschärfe spekulativ und sprachlich so suggestiv einsetzen, daß man sich der Lösung von "des Pudels Kern" nur allzu gern anschließen möchte. Goethe verharrte deshalb so auffallend lange in "konzentrierte [m] Schweigen "(155), weil er sich in demAugenblick in einer "Verworrenheit" (159) nicht nur an die wilden Zeiten an just jenem Ort erinnerte, sondern vor allem an Den Stein (Granit als das Urgestein) als auch Die Stein als "Mutter, Schwester, Geliebte" (G. an Lavater 20.9.1780) zu denken hatte. Während des schweigsamen Augenblicks vergegenwärtigte Goethe sich, so Muschg, eine gesteigerte Symbolik: Wie der Granit, das 'Tiefste ins Höchste kehrt,' und damit für Goethe zum Ur-Phänomen der Polarität wurde (152f), so spiegelte sich für Goethe in der Wiederbelebung des Bergwerks die Wachstumbedingung seiner eigenen Persönlichkeit und die Verschränkung seines persönlichen mit dem des öffentlichen Interesses. Daß solch rundende Suggestivkraft mit den Mühen und Mühlen unseres Wissenschaftsbetriebes nicht viel gemein hat, mögen die einen spöttisch kleinreden und die anderen dankbar schmachten lassen: "Ach gäbe es in der Literaturwissenschaft doch öfters solche liebevollen und herrlich zubereiteten Fest- und Feiertagsmenüs." Emory University Peter Höyng Wolf von Engelhardt, Goethe im Gespräch mit der Erde: Landschaft, Gesteine, Mineralien und Erdgeschichte in seinem Leben und Werk. Weimar: Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, 2003- 375 pp. In 1824, Friedrich von Müller recorded Goethe's comment regarding the years spent trying to restore the Ilmenau mine to working order: "Ilmenau habe ihm viel Zeit, Mühe imd Geld gekostet, dafür habe er aber auch etwas dabei gelernt und sich eine Anschauung der Natur erworben, die er um keinen Preis vertauschen möge" (Herwig 3.1:667).The time, the difficulty, the money expended in his labors at Ilmenau, in mineralogy, and in the developing field of geology have been well documented, as have the knowledge and the vision Goethe acquired, though less abundantly than his pursuits in chromatics, botany, and morphology. Still, Frederick Amrine's two-volume bibliography, Goethe in the 218 Book Reviews History of Science (covering the years 1776 to 1990), lists over 300 titles on "rocks" (compared to about 5,880 titles overall). The most comprehensive overview of the subject remained until recently Max Semper's 1914 work, Die geologischen Studien Goethes, and even Max Morris' introduction to volume 40 of the Jubiläumsausgabe still rewards reading. A dissertation by Ernst Peter Hamm, "Goethe on Granite" (U.Toronto), appeared in 1990, and George Wells' entry in the Goethe-Handbuch (vol. 3, 1997) on "Bergbau in Ilmenau und Ansichten über Gebirgsbildung" is an excellent account. For a comprehensive view of the role geology played in Goethe's life, however , probably no one is as well equipped as Wolf von Engelhardt. In a very long career, Professor von Engelhardt (b. 1910) has authored or co-authored works on the origin of sedimentary rocks, the theory of earth sciences, and sedimentary petrology. Now professor emeritus for mineralogy at the University of...

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Additional Information

ISSN
1940-9087
Print ISSN
0734-3329
Pages
pp. 217-223
Launched on MUSE
2010-10-13
Open Access
No
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