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Reviewed by:
  • Arno Schmidt und das 18. Jahrhundert ed. by Hans-Edwin Friedrich
  • Heinrich Clairmont
Arno Schmidt und das 18. Jahrhundert.
Herausgegeben von Hans-Edwin Friedrich. Göttingen: Wallstein, 2017. 522 Seiten + 2 s/w Abbildungen. €34,90 gebunden, €27,99 eBook.

,,Ich bekenne mich vorbehaltlos zur alten, heute bestgeschmähten, Aufklärung: la lumière sans phrase!“ Es mag sich derart emphatischen Selbstaussagen Arno Schmidts (,,Atheist? Allerdings!“ BA III/3, 324) verdanken, dass die Arno Schmidt Stiftung in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar und der Universität Kiel ihm zum hundertsten Geburtstag 2014 eine Tagung zum Thema Arno Schmidt und das 18. Jahrhundert widmete, deren Ergebnisse der vorliegende opulente Band in 23 Einzelbeiträgen und der programmatisch die Untersuchungshorizonte absteckenden, einleitenden Studie des Herausgebers Hans-Edwin Friedrich präsentiert. Schmidts Funkessays aus den fünfziger und sechziger Jahren, später auch gedruckt erschienen, und der in ihnen exemplarisch entworfene zur zeitgenössischen Literaturwissenschaft komplementäre und habituell alternative Kanon für ihn signifikant aufklärerischer Autoren sind in der Tat nicht ohne Wirkung geblieben – nicht zuletzt durch die so sorgfältig edierten wie preisgünstigen Reprints der von ihm hochgeschätzten Autoren Wezel, von Meyern, Tieck und Fouqué u.a. in den von Hans-Michael Bock verantworteten Haidnischen Alterthümern (die den Band abschließenden präzis gelungenen Studien von Johanna Bohley über Schmidts ,,Radioästhetik“ – 441–50 –, Christoph Rauen zur Präsentation Tiecks – 451–62 –, Jan Süselbeck zur nicht unproblematischen Selbstinszenierung des Autors in den Funkessays – 478–99 –, Mario Grizelj zur literarwissenschaftlichen Dignität der Fouqué-Biographie als einer Diskurs- und Kulturgeschichte Preußens – 463–77 – und Gisbert Haefs zur Rezeption der Schmidt’-schen Positionierungen innerhalb der Germanistik – 500–16 – widmen sich auch dieser Thematik). Seine Interessen reichen von der Frühaufklärung bis zur Romantik, und da der Band ihm hier folgt, geht es eigentlich um ,,Arno Schmidts 18. Jahrhun-dert“, [End Page 757] um den Modus und die Formen seiner Adaptation der aus seiner Perspektive ,,aufklärerischen“ Texte, um deren Epochalität, ihre poetologische Bedeutung wie um diejenige einer nicht immer subversiven Kanon(um)bildung und nicht zuletzt die Bedingungen ihrer Rezeption und Schmidts Interesse an der ,,Episteme der Zeit“ (so Hans-Edwin Friedrich in seinem materialreichen Problemaufriss, 9–57; 11).

Verhandelt wird in der als ,,Modelle“ überschriebenen ersten Sektion des Bandes von Ingo Irsigler mit Blick auf Stefan Andres und Ernst Jünger ,,Das Konzept ,Leviathan‘“, wobei deutlich wird, dass Schmidts Unternehmen, als poeta vates und intellektueller Außenseiter den kulturstiftenden Gegenpol zu den – konträr zu Hobbes, konträr auch zur biblischen Deutung des Leviathan – als anthropologisch manifest gedachten und genuin nicht überwindbaren leviathanischen Antagonismen wie zu den ad absurdum demonstrierten Theodizee-Konzepten zu markieren, durchaus keine Außenseiterposition, sondern zunächst eine Stimme im Chor der westdeutschen Nachkriegsliteratur vorstellt (61–78). Ebenso exemplarisch an Hand des Frühwerks (Massenbach und Kaff auch Mare Crisium) diskutiert Wolfgang Albrecht (79–97) Schmidts am historischen wie am fiktiven Sujet vorgenommene Auseinandersetzung zwischen den gesellschaftlichen Implikationen von aufklärerischem und gegenaufklärerischem Denken, wobei bei Schmidts Positionierung zwei genuin aufklärerische Qualitäten kaum entwickelt seien: ,,selbstreflexiv kritisch zu verfahren und Selbstgewissheit durch Selbstzweifel einzuschränken“ (96). Sabine Kyora, schon früh Beiträgerin des Bargfelder Boten, belegt eindrücklich, in welchem Maße Brockes und Schnabel Schmidt bei der auch für seine Texte relevanten Konzeption geschlossener Räume (Insel, Garten) als Heterotopien aus phantastischen und ,realistischen‘ Elementen beeinflusst haben (98–113). Axel Duncker widmet sich, wiederum von der Insel Felsenburg ausgehend, den Ordnungen von Raum und Zeit in Robinsonade und Idylle vorwiegend in Schwarze Spiegel und Brand’s Haide (114–26). Friedhelm Rathjens komprimiert abschließend (127–41) anderwärts ausführlich und mustergültig Geleistetes (F.R.: Inselwärts. Arno Schmidt und die Literaturen der britischen Inseln, Scheeßel 2008) für eine knappe, aber substantielle philologisch grundierte Übersicht über Schmidts nicht selten nur ,,sehr flüchtig“ oder ,,en passant“ (127) angeführte Quellen aus der englischsprachigen Literatur des 18. Jahrhunderts; er konzentriert sich auf Kenntnis und Adaptation von William Blake und Samuel Taylor Coleridge, von Daniel Defoe und Laurence Sterne – und Tobias Smollett (für Zettel’s Traum und Abend mit...

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Additional Information

ISSN
1934-2810
Print ISSN
0026-9271
Pages
pp. 757-760
Launched on MUSE
2021-01-20
Open Access
No
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