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Reviewed by:
  • “Opferstatt meiner Hände” Die Paris-Gedichte Paul Celans by Albrecht Rieder, Jorg Therstappen
  • Bianca Rosenthal
Albrecht Rieder und Jorg Therstappen, Hrsg., “Opferstatt meiner Hände” Die Paris-Gedichte Paul Celans. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017. 213 S.

Paul Celan (Antschel) wurde in Czernowitz, Rumänien, in einer deutschsprachigen jüdischen Familie geboren. Nach Besuch von deutschen, hebräischen und rumänischen Schulen, begann er 1938 ein Medizinstudium in Tours, Frankreich, kehrte jedoch wegen der Kriegsdrohung nach Czernowitz zurück. 1941 besetzten rumänische und deutsche Truppen Czernowitz. Celans Eltern wurden nach Transnistrien deportiert, wo sie umkamen. Celan littlebenslang an Überlebensschuld.

Von Czernowitz ging er nach Bukarest und Wien und schließlich 1948 nach Paris. In Paris lernte Celan im November 1951 die Künstlerin Gisèle Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 erhielt Celan die französische Staatsbürgerschaft. 1955 wurde sein Sohn Eric geborn. Die Plagiatsvorwürfe von Claire Goll, die unbegründet waren, verfolgten Celan bis an sein Ende. Celan wurde mehrmals in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Im November 1967 entschieden er und seine Frau, getrennt voneinander zu wohnen. Am 20. April 1970, beging er Selbstmord, indem er sich am Pont Mirabeau in die Seine stürzte. Er wurde am 12. Mai 1970 auf dem Cimetière parisien de Thiais beigesetzt.

Celan wählte 1948 Paris als Wohn- und Exilort. Hier entstanden alle Gedichtbände von Mohn und Gedächtnis bis zu den pothum publizierten Büchern Schneepart und Zeitgehöft. Paris war die Stadt, die ihm das Schreiben ermöglichte: Opferstatt seiner Hände. Albrecht Rieder und Jorg Therstappen sind die Autoren des vorliegenden Bandes mit dem Titel Opferstatt meiner Hände. Die Paris-Gedichte Paul Celans werden hier gesammelt und im Kontext dargestellt und ausgelegt (13), manchmal mit biographischen Angaben zum Entstehungshintergrund ergänzt. Die untersuchten Gedichte sind auf Seite 7 und 8 aufgelistet. Bei der Auswahl spielt die Nennung der Stadt Paris eine Rolle, manchmal ein implizierter Kontext (8). Der Band [End Page 131] beginnt mit “Erinnerung an Frankreich”—“der Himmel von Paris, die große Herbstzeitlose . . .” “Auf Reisen” entstanden 1948, vor Celans Abreise von Wien nach Paris nennt “dein Haus in Paris zur Opferstatt deiner Hände” (23), kann daher als Modell zum häufigen Thema Schreiben bei Celan gelten. Im Gedicht “Auf Hoher See” ist “Paris, das Schifflein, das im Glas vor Anker liegt”.

Wie im Text aufgewiesen wird, ist Paris ein Rückgang auf vergangene Erlebnisse, vor allem des persönlich erlebten Genozids (49). In “Oben geräuschlos” wird die Pariser Metronetzwelt als Metapher für die Pariser Alltagswirklichkeit herangezogen (72). Ein sehr für Celan zutreffendes Zitat wird weiterhin ausgedrückt: “Paris ist ein Ort des Lebens, des Leben-Könnens, verbunden mit der Aufgabe des Erzählens, bis die Zeit für die Exilierten auch hier abläuft” (73).

Wie das frühe Gedicht “Auf Reisen” wird im späteren “Zwölf Jahre” Gedicht “dein Haus in Paris als Opferstatt deiner Hände” bezeichnet. “Nur wahre Hände schreiben wahre Gedichte” wie Celan in einem Brief an Hans Bender es ausgedrückt hat (76). In “Wir werden” nennt er Frankreich ein gastliches Land, wo er mit Frau und Sohn leben kann. Celan hatte 1955 die französische Staatsbürgerschaft erworben. Die 60er Jahre waren jedoch für ihn von der Goll-Affäre und den Plagiatsanklagen ausgelösten Paranoia Anfällen umschattet. Bei der Besprechung des Gedichts “Und mit dem Buch aus Tarussa”, beschreibt Jorg Therstappen Paris als Ort des Exils, als Ort der Übersetzung und als Ort der Vermittlung von Versen aus der Heimat. Gleichzeitig nimmt er Bezug auf das berühmte Gedicht von Guillaume Apollinaire, wo der Pont Mirabeau das Vorzeichen für Celans Selbstmord ist (105).

Celan war kein “reiner Aesthet”, seine Dichtung hängt unmittelbar mit biographischen und gesellschaftlichen Einrichtungen zusammen. Zwei Gedichte,“La Contrescarpe” und “24, rue Tournefort”, stellen in besonderer Weise die Lebens- und Schreibwirklichkeit Celans vor. Die Place de la Contrescarpe mit ihren Bäumen ist ein Platz des Schutzes, der das Schreiben von Gedichten ermöglicht (85). Auch die Vergangenheit spielt eine Rolle. Früher Geschehenes taucht auf: “über Krakau bist du gekommen, am Anhalter...

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Additional Information

ISSN
2327-1809
Print ISSN
2165-669X
Pages
pp. 131-133
Launched on MUSE
2018-07-20
Open Access
No
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