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  • Subjekt auf Probe. Einblicke in ein Theorie-Labor
  • Birgit Peter (bio)

Vorliegende vier Texte von Lorenz Aggermann, Simona Travaglianti, Danijela Weber-Kapusta und Philipp Schulte formulieren aus jeweils subjektiver Position Bestandsaufnahme einer über ein Jahr laufenden Auseinandersetzung zu Theater und Subjektkonstitution. Das vorerst Ungewöhnliche an diesem diskursiven Prozess waren die Bedingungen und Voraussetzungen der Zusammenarbeit. Die vier (damaligen) Doktoranden aus Bern, München und Gießen beschäftigten sich aus sehr unterschiedlichen Perspektiven mit Subjektivationsprozessen um Theater und Performance. Sie reagierten auf den 2008 ausgeschriebenen Call für Doktoranden der Gesellschaft für Theaterwissenschaft im Rahmen ihres 10. Kongresses (Mainz 2010), sich an Theoriebildung zum Kongressthema ‚Theater und Subjektkonstitution‘ zu beteiligen. Dieser Call war der erste Schritt, ein neues Konzept von Nachwuchsförderung seitens der GTW auszuprobieren. Die Überlegungen, den bisher praktizierten Essaypreis zu ersetzen, begründeten sich vor allem aus dem Gedanken, nicht Einzelarbeiten hervorzuheben und so auch einem konservativ-elitären Gestus von Prämierung Rechnung zu tragen, sondern eine Gruppe von Doktoranden zu motivieren, an der inhaltlichen Ausrichtung eines Kongresses teilzuhaben. Da eines der wesentlichen Ziele der Gesellschaft die Nachwuchsförderung ist – weniger im finanziellen als im inhaltlichen Bereich –, wurde der Versuch gestartet, eine institutsübergreifende teamorientierte Forschungsgruppe zum Kongressthema ‚Theater und Subjektkonstitution‘ zusammenzustellen. Für alle Beteiligten bedeutete dies, sich auf eine ungewohnte Forschungssituation einzulassen, methodische, ‚fachkulturelle‘ Grenzen zu überschreiten und andere Zugänge im eigenen Arbeiten mitzureflektieren. Es fanden vier Arbeitstreffen in Bern und Mainz statt, bei welchen sich die Gruppe konstituierte und der Herausforderung stellte, gemeinsam methodische Prämissen für den Kongress zu formulieren. Ziel dieser Arbeit war es, eine Key-Note für Mainz 2010 zu erarbeiten, in der schließlich die Ergebnisse unter dem Titel „Ich auf Probe. Skizzen aus einem Labor zu Subjektivität und Theater“ sehr erfolgreich präsentiert wurden.

Nun liegen die Texte vor, die diesen praktisch-diskursiven Vorgang erinnern und weiterverarbeiten. Lorenz Aggermann beginnt mit „Über das Wir zum Ich“ die komplexe Reflexion eigenen Handelns/Denkens, um philosophische Theoreme zum Subjekt für theaterwissenschaftliche Forschungspraxis neu zu lesen. Wie sich Überlegungen zu Comunitas und Imunitas auf eine zentrale, doch wenig untersuchte ‚Figur‘ theaterwissenschaftlicher Forschung, den Zuschauer, auswirken, zeigt Simona Travagliantis Text zum ‚Theaterliebhaber‘ auf. Zwischen Involviertheit und Distanziertheit changieren Ich/Wir-Konzepte, denen Fragilität aufgrund der ultimativen Kränkung des Subjekts durch den Tod immer eingeschrieben sind. Danijela Weber-Kapusta wiederum setzte sich mit der Frage auseinander, was Theaterspiel mit Subjekten geschehen lässt bzw. welche Subjekte generiert werden. Am Beispiel der Arbeiten von René Pollesch geht sie Transformationsprozessen von Bühnensubjekten nach. Im Umfeld eines Diskurses um Abschaffung von Subjekt als radikalstem Ausdruck von Subjektivitation bewegt sich der Text von Philipp Schulte. [End Page 67] Anhand zweier Beispiele (ZOO von aktör&vänner und Product of Circumstances von Xavier Le Roy) zeichnet Schulte den vermeintlichen Freiraum als Ort philosophisch-ästhetischer Konstruktion, wo sich anstatt Subjekt Stilisierung als Subjekt-Surrogat findet.

‚Ich auf Probe‘ ebenso wie ‚Subjekt auf Probe‘ kennzeichnet Prozesse wissenschaft-lichen Agierens und Kreierens, die Nachwuchswissenschaftler oder etablierte Wissenschaftler gleichermaßen betreffen und Möglichkeitsräume eröffnen können, doch nur, wenn sie sich den Blick darauf erlauben. [End Page 68]

Birgit Peter
Wien
Birgit Peter

Birgit Peter studierte Theaterwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien. Ihre Dissertation und Habilitation verfasste sie zu Zirkusgeschichte. Sie ist die Leiterin des Archivs und der Sammlungen am tfm und lehrt an der Universität Wien, als Gast an der Universität Leipzig und der Universität Bern. Seit 2008 ist sie Vizepräsidentin der Gesellschaft für Theaterwissenschaft, mit dem Aufgabengebiet Nachwuchsförderung. Ihre Forschungsschwerpunkte und Publikationen liegen in den Bereichen: Zirkus, Fachgeschichte, verdrängte Theatergeschichte, Anti-semitismus.

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Additional Information

ISSN
2196-3517
Print ISSN
0930-5874
Pages
pp. 67-68
Launched on MUSE
2016-12-15
Open Access
No
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