In lieu of an abstract, here is a brief excerpt of the content:

  • Gegen die metaphysische Erörterung des Raumes1
  • Gershom Scholem
    Translated by Julia Ng (bio)

(1918, Bern)

Gegen die metaphysische Erörterung des Raumes sind die Haupteinwände zu erheben:

I. Kant verwechselt Wahrnehmung und Anschauung.

Der Raum der Wahrnehmung, der der Anschauung und der der Mathematik werden konfundiert.

  • Der R. der Wahrnehmung ist Fläche

  • „  „    „  Anschauung ist überhaupt zu bestreiten

  • „  „    „  Mathematik bildet das wirklich R.-Problem.

II. Die ganz willkürliche Verwendung von „vorstellen" und „Denken" im Zusammenhang des Arguments in Satz 2.2 Kants Satz beweist nicht. [End Page 447]

Man kann sich nicht vorstellen, dass kein Raum sei obwohl man sich vorstellen kann, dass keine Gegenstände darin seien.

Für den Raum der Mathematik ist dieser Satz falsch, weil der Raum der Mathematik überhaupt nicht vorgestellt werden kann.

Für den Erfahrungsraum ist er falsch, weil man sich nicht vorstellen kann, dass keine Gegenstände in ihm sind.

Daher konfundiert Kant beide, und setzt im zweiten Teil des Satzes „Denken", womit nichts bewiesen wird, weil eine Equivokation stattgefunden hat.

III. Die Verwechslung von Begriff und Anschauung durch eine falsche Terminologie.

„Raum und Begriff des Raumes" sind zwei verschiedene Dinge. Kants ganze Argumentation in Satz 33 und 44 ist also gegenstandslos. Er beweist nur, dass Begriff vom Raume nicht Begriff von einem Begriff ist, was von selbst klar ist.

Resultat: auf Grund der kantischen Bestimmungen ist die Untersuchung des Problems unmöglich.

Das Transzendentale tritt bei Kant und Cohen als magischer Begriff auf. // Bei Gegenständen a posteriori ist es, sofern sie gegeben d.h. wirklich sind, nicht möglich anders als unter der Bedingung einer Antwort in einem analytischen Urteil die Frage nach ihrer Möglichkeit zu stellen. (Dagegen ist es selbstverständlich möglich mit einem synthetischen Urteil auf die Frage nach dem „Wie" dieses Gegenstandes im Sinne von Wie beschaffen ((Quale)) zu antworten. Bei Gebilden a priori ist die Frage des Wie im Sinne des Quale wie beschaffen ganz sinnlos, dagegen besteht hier im Sinne Kants die Aussicht, auch nachdem die Wirklichkeit solcher apriorischer Gebilde mittels einer metaphysischen Erörterung aufgewiesen ist, noch mit Aussicht auf eine Antwort in einem synthetischen Urteil die Frage nach der [End Page 448] Möglichkeit solcher apriorischen Gebilde zu stellen. Indem Kant nun diese letztere Frage ebenso wie die Frage nach dem Quale durch das „Wie" bezeichnet, gewinnt er die Möglichkeit zur Erschleichung des Transzendentalen durch folgende Quaternio terminorum:

Jedem Gebilde gegenüber kann ich nach dem Wie fragen Die Frage nach dem Quale (Wie beschaffen?) ist bei apriorischen Gebilden sinnlos.

Die einzig sinngemässe Frage nach dem Wie gegenüber apriorischen Gebilden ist die: wie ist es möglich, die transzendentale.

S. 139 bei Cohen der Gipfel des Unsinns.5 Verbindung von Logik und Ethik: das Gesetz soll sein !!! Warum schimpft er auf Rotbart!? Und warum soll es sein? Nicht etwa wie in der Moral, sondern—wegen des „Faktums der Wissenschaft" also wegen Newton soll der oberste Grundsatz bestehen! Weil die Sonne die Erde umgeht! Der ganze Abschnitt ist bodenlos. Wir „wollen" Notwendigkeit anerkennen—als ob es ein logisches wollen gäbe, wo es nicht einmal ein logisches Müssen gibt.6

Cohen will behaupten (S. 77), nur die Fragestellung des a priori sei zeitlos gültig, der Inhalt dagegen: welches denn nun die Grundbegriffe seien, sei von der „fortschreitenden Kultur des Geistes" bedingt. Daher soll die metaphysische Erörterung nur in ihrer Tendenz gesicherte Geltung, in ihren Ergebnissen aber nur relative besitzen.7

Hier ist also die mystische Unklarheit aufs deutlichste bezeichnet. Dem Positivismus wird ein kritisches Recht zugesprochen. Die Denkbarkeit solcher Evolution, wenn sie überhaupt ernsten Sinn haben soll, ist unverständlich. [End Page 449]

Die metaphysische Erörterung geht auf die unanalysierbaren Tatsachen des Bewusstseins im Erkennen. Sie ist eine phänomenologische, und eigentlich die, die mit Hume's Fragestellung Verbindung hat. Sie fragt:

Was meinen wir, wenn wir vom Raum sprechen.

Was ist das Eidos Raum?

Die transzendente Erörterung fragt dagegen (eine Frage die Hume gar nicht interessiert):

Was leistet dieser Raum für die Wissenschaft.

Wie die Ergebnisse einer eidetischen Untersuchung relativ sein sollen, erklärt Cohen nicht.

In der Wissenschaft wird das metaphysische a priori zum Transzendental...

pdf

Additional Information

ISSN
1080-6598
Print ISSN
0026-7910
Pages
pp. 447-455
Launched on MUSE
2012-06-28
Open Access
No
Back To Top

This website uses cookies to ensure you get the best experience on our website. Without cookies your experience may not be seamless.