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Die Künstlerthematik in den frühen Romanen von Marcel Proust, Robert Musil und James Joyce (review)

From: Monatshefte
Volume 104, Number 4, Winter 2012
pp. 676-678 | 10.1353/mon.2012.0101

In lieu of an abstract, here is a brief excerpt of the content:

À la recherche du temps perdu, Der Mann ohne Eigenschaften und Ulysses werden als drei herausragende, monumentale Romane der klassischen Moderne häufig in einem Atemzug genannt, wobei dann auch immer gleich eingeräumt werden muss, wie unterschiedlich die drei Werke gerade in ihrem innovativen Charakter seien.

Paula Böndel greift in ihrer an der Technischen Universität Berlin unter der Leitung Norbert Millers entstandenen Dissertation die bekannte Konstellation auf, nimmt aber nun die Romane in den Blick, die die Autoren vor den großen Epochenbüchern schrieben: Jean Santeuil von Marcel Proust (entstanden zwischen 1895 und 1902, aber unabgeschlossen und erst nach dem Tod des Autors publiziert), Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil (1906) und A Portrait of the Artist as a Young Man (1916) von James Joyce. Die drei Werke erzählen, in mehr oder weniger enger Anlehnung an die Biographie der Autoren, von Jünglingen in ihrer Entwicklung zu jungen Männern und laden so viel direkter zu einem Vergleich ein als die Werke, um derentwillen man die drei Autoren miteinander gewöhnlich in Verbindung bringt.

Paula Böndel konzentriert sich darauf, die Entwicklungsgänge der drei Protagonisten nachzuzeichnen, indem sie sich geradezu exzessiv auf ausführlich zitierte Textpassagen stützt, die sie zwar kommentiert, im Wesentlichen aber für sich selber sprechen lässt. Leitend ist dabei die Hypothese, dass es sich bei allen drei Protagonisten um werdende Künstler handle, obwohl dies nur im Fall des Helden von Joyce ausdrücklich gesagt wird. Der Titel A Portrait of the Artist as a Young Man wird so auch auf die Figuren von Proust und Musil ausgeweitet.

Gegen eine solche Ausrichtung ist nichts einzuwenden, kann daraus doch das Tertium comparationis gewonnen werden, das die Voraussetzung eines Vergleichs wäre. Der Umstand, dass Santeuil und Törleß keine Kunstwerke hervorbringen und nur als potentielle Künstler verstanden werden können, zwingt die Verfasserin jedoch dazu, mit einem sehr vagen und vermeintlich überzeitlichen Begriff von Künstlertum an die drei Bücher heranzutreten. In allen drei Fällen untersucht sie die äußeren und die inneren Dispositionen zum Künstler. Den ersten wird hauptsächlich die Loslösung von den Eltern und den schulischen Autoritäten subsumiert (was auch eine Frage der inneren Einstellung ist, der künstlerischen Praxis—daher wohl die Bezeichnung -aber noch äußerlich ist), während den inneren Dispositionen insbesondere bestimmte Wahrnehmungsvermögen und ein reflektiertes Verhältnis zur Sprache zugerechnet werden. Böndels Titelstichwort "Künstlerthematik" ist deshalb irreführend, weil sich die Aufmerksamkeit nicht nur auf Stellen richtet, in denen Künstlertum ausdrücklich thematisiert wird, sondern zur Hauptsache auf Stellen, die die Verfasserin mit dem in Verbindung bringt, was sie unter Künstlertum versteht. Die vielen Textstellen, die angeführt werden, machen indessen deutlich, dass in den drei Werken Künstlertum je unterschiedlich definiert ist. Dies ist eine Erkenntnis, zu der die Studie verhilft, ohne davon selber explizit Notiz zu nehmen.

Paula Böndel setzt hohe Erwartungen in ihre Leserinnen und Leser: Diese müssen nicht nur über ausgezeichnete Sprachkompetenzen in Französisch, Deutsch und Englisch verfügen, um die zahllosen, langen Originalzitate würdigen zu können, die erstaunlicherweise auch kaum in stilistischer Hinsicht ausgewertet werden. Den Leserinnen und Lesern ist es auch überlassen, die Synthese der Studie zu erarbeiten. Die Analysen der drei Werke stehen praktisch unverbunden nebeneinander und es gibt keinerlei Schlusskapitel, das die Ergebnisse zueinander in Beziehung setzen und rechtfertigen würde, die Studie als Vergleich zu bezeichnen. Mit diesem Verzicht auf eine Zusammenschau geht die Autorin das Risiko ein, dass die Früchte ihrer Arbeit verpuffen. Das pointierte und aspektereiche literaturgeschichtliche Epochenporträt der Zeit um 1900, das der Arbeit als Einleitung dient, vermag die einzelnen Kapitel der Studie auch nicht miteinander zu verklammern, weil es zu allgemein gehalten ist und in keinem nachvollziehbaren Bezug zu den Werkanalysen steht, die fast völlig ahistorisch argumentieren. Das Verdienst dieser Arbeit liegt so in erster Linie darin, eine höchst anregende Textkonstellation vorgeschlagen und die thematischen Verwandtschaften der drei Werke im Detail aufgezeigt zu haben.

Copyright © 2012 The Board of Regents of the University of Wisconsin System
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Dominik...


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