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Die Titelkupfer von Moritz Retzsch zu Goethes Ausgabe letzter Hand

From: Goethe Yearbook
Volume 21, 2014
pp. 219-245 | 10.1353/gyr.2014.0010

In lieu of an abstract, here is a brief excerpt of the content:

Unter dem Titel Entree Aus Schrift Und Bild untersucht ein neuerer Sammelband die Gestaltung und Funktion von Titelblatt und Frontispiz in England vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert; ihre Kombination ist, so Joachim Möller, "eine visuelle Chiffre, geraffte Auskunft," denn sie geben einen ersten und schnellen Eindruck, sollen ansprechen und zu Kauf und Lektüre anregen, sind aber selbst in der historischen Abfolge von Konventionen verortet. Seit dem 18. Jahrhundert, und dies gilt auch für das deutschsprachige Gebiet, war das Frontispiz fester Bestandteil von Büchern für die anspruchsvolle Leserschaft. Goethe, der oft selbst an der Bestimmung der Künstler und Auswahl der Motive für einzelne Drucke und Werkausgaben beteiligt war, sprach sich nach 1800 gegen Bildschmuck für neue Faust-Ausgaben aus und ließ bekanntlich seine großen Werkausgaben bei Cotta (Werke, 1815–19; Ausgabe letzter Hand, 1827–30) ohne solche Beigaben erscheinen, damit wiederum ein neues Vorbild für "Klassikerausgaben" setzend.

Der scheinbare Widerspruch dieser Aussage (Goethes Ausgabe letzter Hand erschien ohne Bildschmuck) mit dem Titel des vorliegenden Beitrags und dem Vorhaben, Titelkupfer zu eben dieser letzten autorisierten Ausgabe zu untersuchen, bedarf einer Erklärung. Die meisten erhaltenen Exemplare von Goethes Ausgabe letzter Hand enthalten keine Titelkupfer. Das liegt daran, dass die "Kupfer" separat erschienen, wie es üblich war. Die Käufer konnten sie lose sammeln, in die entsprechenden Bände der Werkausgabe ein- oder separat binden lassen. In diesem Fall publizierte ein anderer Verleger als Cotta die Kupfer und versuchte damit, einerseits an dessen Großunternehmen teilzuhaben und andererseits für die Leserschaft, die Illustrationen schätzte, die Tradition von Werkausgaben mit Titelkupfern fortzusetzen, wie sie am prachtvollsten die 45 bändige Wieland-Ausgabe (1794–1811) bei Göschen verkörperte. Mit Leigh G . Dillard sind solche Sammlungen zu den "Parallelillustrationen" zu rechnen. Dillard hat dafür argumentiert, solche bei Untersuchungen von Illustrationen nicht länger zu vernachlässigen, da sie wichtige Foren literarischer Rezeption und Interpretation darstellen können und einmal mehr den Anspruch auf die Zentralität und Hegemonie des geschriebenen Wortes im 19. Jahrhundert in Frage stellen. Letzteres ist ein wichtiges Thema in der neueren Forschung zur Visualität in den Kulturwissenschaften. Obwohl das im 19. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung gewinnende Bildungsbürgertum das Studium des Wortes über alles stellte, hatten die visuellen Medien entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung. Kathrin Maurer hat dies am Beispiel der Geschichte und ihrer Instrumentalisierung für den Imperialismus gezeigt, jedoch setzt ihre Studie erst um 1840 ein.

Der vorliegende Beitrag ergänzt die wertvolle Untersuchung von Andrew Piper zur Bedeutung von Werkausgaben im frühen 19. Jahrhundert, insbesondere Goethes Ausgabe letzter Hand. Sein Ergebnis wird im Folgenden um ein wichtiges Element erweitert, mit dem die Ausgaben wesentlich dazu beitrugen, einen literarischen Kanon mit nationalen Dichtern und dauerhaften Werken zu errichten, Autoren zu monumentalisieren und der neuen Massenproduktion von Literatur ein Bewusstsein nationalen Erbes entgegenzustellen, das auch von politischer Bedeutung war.

Die Kupfersammlung zu Goethe’s sämmtlichen Werken umfasst insgesamt 56 Blätter, die in einer digitalen Ausgabe der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in hervorragender Qualität zugänglich sind. Der Leipziger Verleger Friedrich Fleischer (1794–1863) gab sie in den Jahren 1828–34 parallel und passend zur Cotta-Ausgabe in zweierlei Format heraus. Er hatte den Verlag von seinem Onkel Gerhard Fleischer (1749–1849) übernommen, der u. a. die beliebten Taschenbücher Minerva, Penelope, das Leipziger Taschenbuch sowie das Taschenbuch der Reisen publiziert und bei Lesern illustrierter Almanache einen guten Ruf hatte. Gerhard Fleischer hatte eine solche Reihe von Titelkupfern bereits bei der Ankündigung der Ausgabe letzter Hand begonnen und 1826–28 in fünf Lieferungen 25 Blätter gedruckt nach Vorlagen von Johann Heinrich Ramberg, dem Hannoveraner Hofmaler und wohl produktivsten Illustrator der Zeit. All diese Titelkupfer wurden von Carl August Schwerdgeburth gestochen, dem Weimarer Hofkupferstecher. Zu den ersten 25 Bänden der Ausgabe gibt es also je zwei verschiedene Titelkupfer. 1828 änderte Friedrich Fleischer das Konzept der angefangenen Kupferstichsammlung und begann eine neue. Er zählte auf Variation und engagierte mehrere Zeichner und Kupferstecher dafür, mit deren Namen er in Anzeigen für das Unternehmen warb. Anders als in England war die Buchillustration im Deutschland des...



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