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Theater und Schule. Ein Handbuch zur kulturellen Bildung ed. by Wolfgang Schneider (review)

From: Forum Modernes Theater
Volume 25, Number 2, 2010
pp. 215-216 | 10.1353/fmt.2010.0025

In lieu of an abstract, here is a brief excerpt of the content:

Der vorliegende Sammelband ist vor allem eines: eine beeindruckende Dokumentation gegenwärtig bestehender Ansätze einer künstlerischen wie pädagogischen Zusammenarbeit von Theatern und Schulen in Deutschland. Exemplarisch werden konzeptionelle Ausrichtungen dieser Zusammenarbeit vorgestellt, aber auch die Relevanz theatraler Bildung ästhetisch wie pädagogisch legitimiert und reflektiert. Die insgesamt 26 Beiträge, die hier leider nicht einzeln besprochen werden können, sind Ergebnisse eines Symposions, das die Befunde einer 2006 durchgeführten landesweiten – und damit erstmals auf so breiter Basis angelegten – Erhebung an hessischen Schulen diskutierte. Die Erhebung fragte “sowohl nach der Wahrnehmung der Angebote der professionellen Theater als auch nach der Entwicklung des Darstellenden Spiels und der Zusammenarbeit von Theater und Schule im Bereich der Theaterpädagogik” (9). Als Grundlage dieser Initiative diente der Bericht der Enquete-Kommission “Kultur in Deutschland” des Deutschen Bundestages, deren Handlungsempfehlungen zur “Schulischen kulturellen Bildung” als konkrete bildungs- und kulturpolitische Arbeitsaufträge zu verstehen sind. Dass die darin formulierten Zielsetzungen inzwischen weitgehend etabliert sind und in der Praxis auch tatsächlich angestrebt werden, zeigt insbesondere die Finanzierung und Unterstützung der Erhebung durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Hessische Kultusministerium.

In diesem kulturpolitischen Kontext versteht sich auch der vorliegende Band: Er erhebt den Anspruch, nicht nur eine Bestandsaufnahme zu bieten, sondern er “will Handbuch sein für bildungs- und kulturpolitisches Handeln” (11). Das irritiert zunächst, widmet sich die Publikation doch ausschließlich theatraler Bildung und nimmt damit nur ein einziges Feld kultureller Bildung in den Blick. Doch ist es gerade ihr Modellcharakter, der diesen Anspruch rechtfertigen kann, denn der Band zeigt exemplarisch und richtungsgebend auf, welche Chancen auch für andere Bereiche kultureller Bildung und für andere Bundesländer bestehen, wenn Politik, Wissenschaft, Kunst und Pädagogik an einem Strang ziehen, um die jeweilige Zusammenarbeit zielgenau und modellhaft zu entwickeln. Das eröffnete sehr weite Feld an Fragestellungen, Ergebnissen und Perspektiven wird in vorliegendem Band von Wissenschaftlern, Theaterschaffenden und Pädagogen gemeinsam diskutiert. Diese interdisziplinäre Anlage erweist sich als notwendig und geeignet, um die Sichtweisen verschiedener Fächer und Institutionen auf den Gegenstand zu klären, sich daraus ergebende Problemfelder der Zusammenarbeit zu benennen und den Weg für Zukünftiges zu weisen. Eine der Stärken des Bandes ist gerade die Zusammenschau bereits zu verzeichnender Erfolge – wie etwa die Präsentation spezieller Schulversuche oder gar landesweiter Modelle der Kooperation zwischen Theatern und Schulen – und die Identifikation und Diskussion theoretisch-konzeptioneller wie praktisch-organisatorischer Problemfelder genau dieser Kooperation. Es zeigt sich, dass bestimmte Konflikte im Zusammenhang der Förderung theatraler Bildung aus verschiedensten Perspektiven immer wieder neu ans Licht treten. Dazu gehört etwa der Befund, dass in der gegenwärtigen Praxis offenbar dem Theaterspiel der Kinder und Jugendlichen größere Relevanz zugeschrieben wird als der Rezeption professioneller Theaterkunst. Sowohl aus künstlerischer als auch aus theaterpädagogischer Sicht wird aber reklamiert, Rezeption und Produktion als zusammengehörig zu betrachten, um “ästhetische Bildung in der Schule in der Zusammenschau von ‘Theater sehen’ und ‘Theater spielen’ als ‘wahrnehmende und gestaltende’ Auseinandersetzung mit der Theaterkunst auszuloten” (19). Dafür muss es auf kulturpolitischer Ebene insbesondere um den Ausbau nachhaltiger Strukturen für entsprechende Kooperationen gehen und nicht allein um die Förderung von Einzelaktivitäten. Es geht also auch um die Verankerung theatraler Bildung in der allgemeinbildenden Schule, denn nur diese Institution erreicht tatsächlich alle Kinder und Jugendliche. Logische Konsequenz ist daher die Forderung nach einem Schulfach ‘Kulturelle Bildung’ als notwendigem Gegengewicht zu den PISA-Fächern. Als erster Schritt in diese Richtung kann zumindest für das Bundesland Hessen der inzwischen klar erkennbare politische Wille bewertet werden, “ein Landesprogramm Theater und Schule langfristig zu etablieren” (37).

Dieses Ziel wiederum wirft zwei weitere grundsätzliche Fragen auf, die in vorliegendem Band mehrperspektivisch diskutiert werden. Es zeigt sich in verschiedenen Beiträgen, dass “die ‘Systeme’ Theater und Schule auf ihre Kompatibilität zu überprüfen” (10) sind. Das betrifft auf der einen Seite die jeweiligen Strukturen, die organisatorisch nicht immer leicht zusammenzubringen sind, es betrifft aber – weit wichtiger – das jeweilige Selbstverständnis als Künstler bzw. als Pädagoge und das zu überprüfende Bild vom jeweils anderen Kooperationspartner. Es ist der alte Konflikt zwischen Kunst und...



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